Fluch der Karibik 3
Zuerst auch hier mal wieder die Warnung: ich werde wahrscheinlich den ein oder anderen Spoiler ausplappern, wenn ich mich über Szenen aufrege oder freue! Wer den Film also noch nicht gesehen hat sollte nur mein spoilerfreies Fazit im letzten Abschnitt lesen! Auch vom Dritten Teil der Piratengeschichte bin ich mehr oder weniger begeistert und kann die viele Kritik nicht nachvollziehen. Wo in Fluch der Karibik 2 die fehlende Story kritisiert wurde, scheint es den guten Leuten in Teil 3 zu viel Story zu sein. Ja, der Plot ist nicht gerade simpel und man sollte in jedem Fall die ersten zwei Filme und ihre Charaktere kennen, jedoch sollte jeder, der dies berücksichtigt, keine Probleme mit dem Film haben. Es wird zwar an allen Ecken und Enden verhandelt, verraten, diskutiert, abgestimmt und alte Rechnungen beglichen, aber nach einer kleinen Denkpause sollte es zu allen Fragen eine Antwort geben. Die Handlungsstränge der verschiedenen Protagonisten laufen am Ende zusammen, man erfährt so gut wie alle Hintergründe und nur ganz wenige ungeklärte Situationen bleiben zurück, sodass sich niemand beschweren kann, dass die Story nicht richtig abgeschlossen wurde. Ich kann nachvollziehen, dass sie in manchen Momenten ein wenig undurchsichtig ist, aber im verlauf des Films wird alles geklärt. Auch wurde im zweiten Teil die Action bemängelt - nicht, weil diese schlecht ist, sondern da der Film angeblich nichtsmehr bietet außer Action. Im dritten Teil ist auch dies anders. Die Action beschränkt sich im großen und ganzen auf den gigantischen, 45 minütigen Endkampf zwischen der Flying Dutchman und der Black Pearl, sodass in den ersten 2 Stunden Film reichlich Story ansteht, ebenso wie einige charismatische Momente, die dem Erstling gerecht werden könnten. Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass Barbossa wieder mit dabei ist und diesmal auf der "guten Seite" steht. Captain Jack Sparrow und Barbossa auf einem Schiff sind die vorlage für viele gelungene und wirklich lustige Momente - diese stellen sich zwar erst nach circa einer Stunde ein, doch wenn Sparrow erst wieder das Licht der Welt erblickt hat, erstrahlt der Film im alten Glanz und sorgt für unvergessliche Situationen. Die dauernden Sticheleien zwischen Jack und Barbossa sind unglaublich gut und unterhaltsam.
Leider ist der Versuch, mit den Asiaten ein paar neue Settings und Charaktere in den Film zu bringen nicht ganz geglückt. Deren Auftritt ist nämlich reichlich kurz und lässt garnicht erst zu, dass sich der Zuschauer mit dem Neuen auseinandersetzten kann. Auch Chow Yun-Fat`s Rolle ist fast schon lächerlich klein. Besser als das asiatische Thema sind die surrealen Szenen umgesetzt, in denen sich Jack, im Reich von Davy Jones mit einem Dutzend seiner selbst, einer Erdnuss und einem Stein auseinandersetzen muss. Zuerst war ich etwas erstaunt, dass es gerade so eine tiefgründige und ungewöhnliche Szene in den Film geschafft hat, im Nachhinein war es jedoch eine wirkliche Bereicherung und hat den besonderen Charakter, den Johnny Depp in Fluch der Karibik verkörpert, noch vertieft. Depp spielt übrigens wiedereinmal unglaublich gut, sodass ich in der Szene, in der er begleitet vom Pirates of the Caribbean-Theme die Dühnen mit der Pearl hinunterfährt, mal wieder Gänsehaut hatte. Diese Momente sind immer die Besten an den Fluch der Karibik-Teilen. Genauso überzeugend wie Sparrow kommt auch wieder Barbossa rüber, der mich mit viel Charme und grimmigen Blicken beeindruckt hat. Davy Jones wird zunehmend interessanter und lässt als tragischer und missverstandener Held viel Raum für Mitgefühl. Die anderen Schauspieler machen ihre Sache gewohnt gut, werden im Film jedoch teilweise etwas in den Hintergrund gerückt (beispielsweise Will Turner, der erst in den letzten Filmminuten an Wichtigkeit zunimmt). Andere Personen, wie Elisabeth Swann dagegen tragen eine für meinen Geschmack zu große Rolle. Die Launen und Reden der Dame haben mich manchmal echt genervt. Dafür konnte wiederum Keith Richards als Jacks Vater von Vorne bis Hinten überzeugen und lässt mich mit einem breiten Grinsen zurück - schade, dass er nur so einen kurzen Auftritt hatte.
Dann kommen wir mal zu den nicht ganz so guten Momenten. Wie schon erwähnt wurde das asiatische Setting nicht allzu perfekt umgesetzt und überhaupt leidet der Anfang von "Am Ende der Welt" durch den nicht vorhanden Sparrow. Ist er einmal da, legt der Film auch an Humor und Geschindigkeit zu, die erste dreiviertel Stunde ist jedoch ein wenig schleppend und verhältnismäßig unlustig erzählt. Auch die Tatsache, dass der Film fast ausschließlich auf dem Meer spielt ist meiner Meinung nach nicht ganz so gut gelöst. Mir fehlten ein wenig die hellen Strände, Inseln und Städte. Der gesamte Film wirkt daher vielleicht etwas farbarm, was zur dunkleren Atmosphäre aber gut passt. Dunkel gestaltet ist auch das Finale, welches zwar mit vielen Effekten, grandioser Musik und viel Krachbumm inszeniert ist, leider jedoch nicht an die herrausragenden Actionszenen aus Teil zwei herrankommt, die weitaus innovativer daherkamen. Auch gab es einige - ich sage mal - unfreiweillig komische Momente im Film. Die Befreiung der Göttin Calypso war irgendwie lächerlich und auch die Verlobung zwischen Will und Elizabeth, während des Kampfes, war in meinen Augen nicht unbedingt Fluch der Karibik-würdig, wenn auch Barbossa in dieser Szene wieder richtig gut weggekommen ist. Insgesamt ist "Am Ende der Welt" düsterer als seine Vorgänger und hat einige nicht so passende Momente, kann jedoch den Humor und die grandiosen Charaktere aus dem ersten Teil mit der Action aus dem Zweiten gut kombinieren und gehört für mich, als Fan daher auch in die obere Liga der Abenteuerfilme. Wo im zweiten Film noch zu viel Action und zu wenig Story war, ist im Dritten fast schon zu viel Story und weniger Action - die paar Längen zu Beginn und die teilweise zu wirren und lächerlichen Szenen werden jedoch von dem grandiosen Duo Barbossa und Sparrow, sowie dem fulminanten Finale und der Hoffung auf einen vierten Teil wieder ausgeglichen, sodass sich "Am Ende der Welt" mit minimalem Abstand als schlechtester Fluch der Karibik in die Serie einreiht, jeden Fan jedoch nicht enttäuschen wird und zu einem der besten Abenteuerfilme überhaupt gehört.
Zur BluRay wieder die üblichen Worte, die sich so auch auf Fluch der Karibik 2 übertragen lassen könnten: Einige Filter, wie beispielsweise ein gewisser Grünstich des Bildes oder eine leichte Körnung in dunklen Szenen, verhindern zwar einen wirklich natürlichen Look und schwächen das Bild ein wenig ab, der Kontrast, sowie tolle Farben und die hervorragende Schärfe machen die BluRay jedoch zu einer der besten auf dem Markt. In den Nahaufnahmen erkennt man jede Falte von Barbossa oder jedes Barthaar von Jack Sparrow und die Panoramaaufnahmen sind wie gewohnt top. Da kann man nicht meckern. Habe mich schon sehr auf die Extras gefreut, die alle in HD vorliegen, leider jedoch nicht so gut ausfallen, wie die Boni der anderen Teile. Liegt wohl daran, dass der Film zum Großteil nur auf zwei Schiffen spielt und die tollen Reportagen über die Drehorte so fast vollständig wegfallen. Interessant ist es zwar, aber meine geliebten "Wir bauen diese unbewohnte Insel zu einem Set um"-Dokus sind leider nichtmehr mit dabei.
Pirates Of The Caribbean - Am Ende der Welt kann meiner Meinung nach gut mit seinen Vorgängern mithalten und bildet einen gelungenen Abschluss (?) der Piratensaga. Zu beginn noch etwas schleppend erzählt gewinnt der Film jedoch schnell an Fahrt und kann zeitweise sogar mit dem Charme des ersten Teils mithalten. Alle Handlungsstränge laufen zusammen und enden in einem atemberaubenden, fast 45 Minuten andauernden Endkampf. Ein paar kleinere Aussetzer hat auch Teil drei vorzuweisen, das kann man nicht verneinen, jeder Fan der Filme und des Abenteuergenres wird jedoch mit Humor, Charme, Story und Action sehr gut unterhalten. Ganz wichtig ist, dass man zuerst Teil 1 und 2 guckt, dann steht einem jedoch nichts mehr im Wege und man bekommt einen tollen, wenn auch nicht 100% perfekten, Abenteuerstreifen serviert. Eigentlich müsste ich Am Ende der Welt 8,8 Punkte geben, da er nicht ganz mit dem Zweiten mithalten kann, da ich aber nur in 0,5er Schritten bewerte und ich ein großer Fan der Trilogie bin runde ich einfach mal auf 9 von 10 Punkte auf. Man kann sagen, was man will, ich bin sehr zufrieden mit diesem Film! Spannung, Action, Humor - was will ich mehr?